Mai/Juni 2026

Elke Lückener: stabil ≈ fragil
Es geht um die scheinbaren Gegensätze Stabilität und Fragilität.
Stabilität meint beispielsweise, dass trotz innerer oder äußerer Einflüsse etwas im Gleichgewicht bleibt, umgangssprachlich oft als Resilienz beschrieben.
Fragilität hingegen bezeichnet die Anfälligkeit eines Zustands gegenüber Störungen, etwas ist verletzlich und kann durch kleine Einflüsse beeinträchtigt werden.
Beide Zustände interessieren mich, es scheint mir so zu sein, dass sie sich nicht ausschließen, sondern bedingen – so, als seien sie in einer Art dialektischen Beziehung. Fragilität ist nicht nur ein zerbrechlicher Zustand, sondern hat auch das Potenzial für einen Umbruch, weil sich Grenzen auflösen und wäre Stabilität etwas ausschließlich Starres, zerbräche sie schnell.
Es geht in dieser Ausstellung um dieses Wechselspiel zwischen stabil und fragil. Das Material Papier inszeniert dies sehr gut.
Es steht für beide Zustände gleichermaßen, ist fest, starr, schützt und ist zugleich zart und schnell zerstört.
Hier sehen wir Arbeiten auf und aus Papier – Häuser – Symbole für Sicherheit, festen Boden, Schutz und Stabilität. Sie hängen locker an der Wand, scheinen ohne festen Boden zu schweben. Häuser aus einem Papierdrahtgeflecht stehen auf festem Grund, wirken aber doch zerbrechlich, verbogen, mitgenommen.
Die in der Luft hängenden und gestrandeten Boote sind aus der Rinde des Maulbeerbaumes geformt. Boote stehen für Beweglichkeit, sind aber doch stark den gefahren eines schwankenden Grundes ausgesetzt.
Ich arbeite seit vielen Jahren mit Papier, selbst hergestelltem Papier, geschreddert, gekocht, gepresst oder ausgewrungen. Ich falte, knicke, biege, stecke gefundenes Papier zu Objekten und Bilder – ich lote die Balance zwischen stabil und filigran sehr gerne aus. Außerdem liebe ich es, es zu zerstoßen, zu prägen, zu prickeln, zu stechen und zu schneiden – also es zu verletzten solange wie es standhält – und das tut es immer. Ich bewegen mich gerne auf dieser grenze zwischen Verletzlichkeit und Festigkeit.
Vernissage: 15.5.2026 19.00 Uhr
Einführung: Ulli Kowalke
Ausstellungsdauer: 15.5. – 14.6.2026
Öffnungszeiten: Freitag 18.00-19.30 Sonntag 14.00-16.00



