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Autor: AD

Juni/Juli 2026

Juni/Juli 2026

Timo Hinkelmann – MADE IN …

In der Werkreihe „MADE IN …“ setze ich mich mit Fragen von Identität, Herkunft und gesellschaftlicher Zugehörigkeit auseinander. Ausgangspunkt der Arbeiten sind reale Personalausweise von Menschen mit Migrationserfahrung – Dokumente, die normalerweise als offizieller Nachweis von Existenz, Herkunft und persönlicher Identität fungieren.

Die Ausweisfragmente werden collageartig in großformatige Leinwände eingearbeitet und mit Spachtelmasse, Farbschichten und monochromen weißen Überlagerungen verbunden. Dadurch entstehen reliefartige Oberflächen, in denen Sichtbarkeit und Verdeckung permanent miteinander konkurrieren. Einzelne Details – Fotografien, Nummern, Namen oder Strukturen – treten hervor und verschwinden zugleich wieder im Material.

Die Arbeiten bewegen sich zwischen Malerei, Objekt und Spurenträger. Der Personalausweis erscheint dabei nicht nur als bürokratisches Dokument, sondern als Symbol für Anerkennung, Kontrolle, Erinnerung und Zugehörigkeit. Durch die teilweise Überdeckung verlieren die Dokumente ihre ursprüngliche Funktion der eindeutigen Identifikation und verwandeln sich in fragile Fragmente persönlicher Geschichte.

Das Weiß der Arbeiten kann dabei unterschiedliche Zustände markieren: Schutzraum und Leerstelle, Auslöschung und Neubeginn, Unsichtbarkeit und Projektion. Die materiellen Schichtungen verweisen auf Prozesse des Ankommens, der Anpassung und der permanenten Aushandlung von Identität innerhalb gesellschaftlicher Räume.

„MADE IN …“ hinterfragt Herkunft nicht als feste Zuschreibung, sondern als komplexen, oft widersprüchlichen Zustand zwischen Erinnerung, Bewegung und Neubestimmung. Die Werke thematisieren die Spannung zwischen individueller Erfahrung und institutioneller Erfassung – zwischen dem Menschen und seinem dokumentierten Abbild.

Durch die Verwendung realer Dokumente entsteht eine unmittelbare Nähe zu den dargestellten Biografien, ohne diese vollständig preiszugeben. Die Personen bleiben präsent, aber fragmentiert – sichtbar und zugleich entzogen. Gerade in dieser Ambivalenz entfaltet die Arbeit ihre zentrale Aussage über Identität im Kontext von Migration und Zugehörigkeit.

Vernissage: 19.06.2026, 19.00h
Einführung: Stephan Haller

Ausstellungsdauer: 19.06. – 12.07.2026
Öffnungszeiten: Fr 18.00-19.30 / So14.00-16.00

Mai/Juni 2026

Mai/Juni 2026

Elke Lückener: stabil ≈ fragil 

Es geht um die scheinbaren Gegensätze Stabilität und Fragilität.

Stabilität meint beispielsweise, dass trotz innerer oder äußerer Einflüsse etwas im Gleichgewicht bleibt, umgangssprachlich oft als Resilienz beschrieben.
Fragilität hingegen bezeichnet die Anfälligkeit eines Zustands gegenüber Störungen, etwas ist verletzlich und kann durch kleine Einflüsse beeinträchtigt werden.

Beide Zustände interessieren mich, es scheint mir so zu sein, dass sie sich nicht ausschließen, sondern bedingen – so, als seien sie in einer Art dialektischen Beziehung. Fragilität ist nicht nur ein zerbrechlicher Zustand, sondern hat auch das Potenzial für einen Umbruch, weil sich Grenzen auflösen und wäre Stabilität etwas ausschließlich Starres, zerbräche sie schnell.

Es geht in dieser Ausstellung um dieses Wechselspiel zwischen stabil und fragil. Das Material Papier inszeniert dies sehr gut.
Es steht für beide Zustände gleichermaßen, ist fest, starr, schützt und ist zugleich zart und schnell zerstört.
Hier sehen wir Arbeiten auf und aus Papier – Häuser – Symbole für Sicherheit, festen Boden, Schutz und Stabilität. Sie hängen locker an der Wand, scheinen ohne festen Boden zu schweben. Häuser aus einem Papierdrahtgeflecht stehen auf festem Grund, wirken aber doch zerbrechlich, verbogen, mitgenommen.
Die in der Luft hängenden und gestrandeten Boote sind aus der Rinde des Maulbeerbaumes geformt. Boote stehen für Beweglichkeit, sind aber doch stark den gefahren eines schwankenden Grundes ausgesetzt.

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Papier, selbst hergestelltem Papier, geschreddert, gekocht, gepresst oder ausgewrungen. Ich falte, knicke, biege, stecke gefundenes Papier zu Objekten und Bilder – ich lote die Balance zwischen stabil und filigran sehr gerne aus. Außerdem liebe ich es, es zu zerstoßen, zu prägen, zu prickeln, zu stechen und zu schneiden – also es zu verletzten solange wie es standhält – und das tut es immer. Ich bewegen mich gerne auf dieser grenze zwischen Verletzlichkeit und Festigkeit.

Vernissage: 15.5.2026   19.00 Uhr

Einführung: Ulli Kowalke
Ausstellungsdauer: 15.5. – 14.6.2026
Öffnungszeiten: Freitag 18.00-19.30  Sonntag 14.00-16.00

März/April 2026

März/April 2026

Jens Thomas: Abstract Jazz

Collagen/Schichtungen

Jens Thomas ist in erster Linie Musiker. Er hat Jazzklavier studiert und ist seit vielen Jahren mit dem Schauspieler Matthias Brandt und ihren gemeinsam kreierten Wort-Musik-Collagen auf den Bühnen der Republik zu erleben. Auch in anderen Projekten beschäftigt sich Thomas mit der Collage. Das von ihm gestaltete Plattencover seines Soloalbums „Neil Young Collage“ ist ein Palimpsest aus den Songtexten, die Musik eine Schichtung von Klavierklängen und Gesängen. In seinem Buch „Zuhören!“ wiederum beschreibt er das „Herumbasteln“ (Bricolage) mit verschiedenen Ebenen des Bewusstseins, als Grundlage eines „Erwartungsfreien Hörens“.

Jenseits dessen fließt aber noch ein anderer Strom, der bei j3fm zum ersten Mal das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Jens Thomas schichtet in monatelangen Prozessen Farben auf Leinwände und Papier, entfernt sie wieder durch Abkratzen, Abziehen, um sie dann erneut auf den Grund aufzutragen. Alle Werke entstehen, wie in seiner Musik, durch Improvisation. Die Bilder sind inhaltlich mit Songs und Kompositionen des Musikers Jens Thomas verknüpft. Klang wird sichtbar: Abstract Jazz.

Vernissage: 20. März 2026, 19 Uhr

Laudator: Bert Strebe
Ausstellungsdauer: 20.3.2026 – 12.4.2026

Öffnungszeiten: Fr 18-19.30 und So 14-16

Februar/März 2026

Februar/März 2026

Thomas Deutschmann:  MIT-MENSCHEN
Fotografie

Die Fotografien von Thomas Deutschmann durchziehen mehr als fünf Jahrzehnte und bilden ein Kaleidoskop seines fotografischen Sehens. Sie begegnen Menschen in flüchtigen, ungeplanten Momenten und verweilen zugleich im Alltäglichen wie im Abseitigen. Die Aufnahmen, bestehend aus schwarz-weiss und Farbbildern, bewegen sich zwischen Skurrilität und Witz, zwischen Nähe und Distanz, und entfalten dabei eine leise, mitunter pointierte sozialkritische Note. Entstanden in langfristigen Projekten, auf Reisen sowie im Kontext von Reportagen und Auftragsarbeiten, verdichten sie sich zu einem ruhigen, offenen Geflecht von Beobachtungen. Thomas Deutschmann, dessen Arbeiten gerade erst in Hannover 2024 in der GAF gezeigt wurden, ist das zweite Mal in j3fm vertreten.

 

Eröffnung: 20. Februar 2026, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 20.2.2026 – 15.3.2026

Einführung: Rolf Nobel

Wo: Kunstraum j3fm, Kollenrodtstr. 58b

Öffnungszeiten: Fr 18-19.30 und So 14-16

 

Januar/Februar 2026

Januar/Februar 2026

Inu Eichhorn- Acrylmalerei
„How the fuck did we make it so far?“

Die Ausstellung „How the fuck did we make it so far?“ von Inu Eichhorn untersucht das unwahrscheinliche Fortbestehen der Menschheit: ihre Widersprüche, ihre Fragilität und ihre unermüdliche Selbstbehauptung. In den gezeigten Werken verbinden sich wissenschaftliche und religiöse Bildwelten zu einer poetischen Anatomie des Menschseins. Körper, Glaube und Geist erscheinen darin als voneinander abhängige Systeme, die im Versuch, Bedeutung zu stiften, immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Die 20-jährige Künstlerin, die keine formelle Kunstausbildung absolviert hat, schöpft ihre Bildsprache aus den Erfahrungen ihrer Ausbildung zur Biologielaborantin. In der Arbeit mit DNA, Zellen und diagnostischen Prozessen begegnete sie dem Menschen zunächst als abstraktem Objekt. Es ist unter anderem dieses Erleben, das die Spannung zwischen Empirie und Empathie, Technik und Transzendenz in ihrem Werk grundiert. How the fuck did we make it so far? ist keine Feier des menschlichen Fortschritts, sondern eine ehrliche Frage. Die Ausstellung zeigt, dass unser Bestehen weniger auf Zielgerichtetheit, als auf Zufall, Anpassung und Widerspruch beruht. Zwischen Verfall und Beharrlichkeit, Anmut und Abgrund offenbart sich eine Spezies, die überlebt, weil sie scheitert und darin Sinn zu finden versucht.
Vernissage: 16.1.2026 / 19 Uhr
Laudator: Martin Eichhorn
Ausstellungsdauer bis 15.2.2026
Öffnungszeiten: Fr 19-20.30 Uhr und So 14-16 Uhr

Hinweis: Für diese Ausstellung gelten  am Freitag andere Öffnungszeiten als sonst bei uns üblich!